Über 50 Unternehmen auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft begleitet
Von 2021 bis 2024 hat der Innovation Booster «Applied Circular Sustainability» unter der Leitung des ZHAW Institute of Product Development and Production Technologies (IPP) mehr als 50 Unternehmen dabei begleitet, von linearen zu zirkulären Geschäftsmodellen zu wechseln.

Das Programm «Applied Circular Sustainability» wurde von der Schweizer Förderagentur Innosuisse finanziert. Ziel des Programms war es, Firmen, Privatpersonen und Gesellschaft zusammenzubringen, um innovative, kreislauffähige Projekte anzustossen und an bisher ungelösten Problemen zu arbeiten. So entstanden unter anderem zwei Konzepte zur Fassadenbegrünung in der Stadt Dietikon, die 2026 an der Phänomena ausgestellt werden. Ein Projekt mit Beteiligung von Planzer und AMAG beschäftigte sich mit dem nachhaltigen, automatisierten Güterverkehr in Städten. Der Schweizer Bergsport-Spezialist Mammut, der sich zum Ziel gesetzt hat, Kletterseile zu hundert Prozent kreislauffähig zu machen, erhielt Anregungen für den Recyclingprozess. Auch der Sportbekleidungshersteller Odlo und der Skihersteller Stöckli beschäftigte sich mit Fragestellungen rund um das Schliessen der Materialkreisläufe ihrer Produkte.
Zentrale Hürden der Kreislaufwirtschaft
Mit dem Programm konnten über vier Jahre 48 Teams gefördert werden. «Ein wesentlicher Bestandteil war, Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam etwas verändern wollen, denn Kreislaufwirtschaft muss interdisziplinär gelöst werden», erklärt Adrian Burri, Leiter des ZHAW Institute of Product Development and Production Technologies, der den Innovation Booster geleitet hat. Die Learnings aus der Arbeit in den Projekten sind in einer Publikation erschienen, die Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Politik und Gesellschaft enthält. Sie beschreibt verschiedene Hürden auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft. «Eine wichtige Hürde ist die transformative Planung, bei der das Stakeholder-Involvement eine wichtige Rolle spielt. Man muss Kreislaufwirtschaft über das bestehende Business-Modell hinweg gesamtheitlich anpacken und alle ins Boot holen, um diese Vision gemeinsam umzusetzen», sagt dazu Adrian Burri. Für ein Start-up, das mit Leidenschaft eine Idee voranbringen will, sei das selbstverständlich, während eine etablierte Firma dabei mehr Schwierigkeiten habe. «Ein kreislauffähiges Business-Modell zu gestalten, geht nicht von heute auf morgen. Da braucht es vielleicht erst ein Pilotprojekt, um aufzuzeigen, was das genau bedeutet und was die Veränderungen sind,» führt Burri weiter aus.
In der Schweiz noch viel Luft nach oben
Das Thema Kreislaufwirtschaft ist in der Schweiz keine Nische mehr, wie Adrian Burri festhält. Es gebe inzwischen viele Veranstaltungen, Netzwerkplattformen sowie auch Fördermittel für Start-ups. Erst 6,9 Prozent der Materialien werden in der Schweiz im Kreis geführt. «Da gibt es noch Luft nach oben», so Burri. In der Schweiz sei zudem der regulatorische Druck weniger hoch als etwa in der EU. Der EU Green Deal zwingt Firmen dazu, sich genauere Gedanken darüber zu machen, welche Produkte neu eingeführt werden sollen. Adrian Burri dazu: «In der Schweiz fehlt dieser Druck oder das klare Commitment von Bund und Behörden. Aber Kreislaufwirtschaft ist kein Hype, der vorübergeht. Sie ist gekommen, um zu bleiben. Es gibt keinen anderen Weg für eine nachhaltige Zukunft.»
Quelle und weitere Informationen: www.zhaw.ch