Schweizer Firmen optimistisch trotz Lieferkettenproblemen

Der weltweite Geschäftsoptimismus ist im dritten Quartal 2024 im Vergleich zum Vorquartal gestiegen, wie der aktuelle Global Business Optimism Insights Report (GBOI) von Dun & Bradstreet zeigt. Besonders dynamisch zeigt sich diese Entwicklung in der Schweiz: Hier verzeichnen Unternehmen einen der weltweit stärksten Zuwächse bei Geschäftsoptimismus und Investitionsbereitschaft.

Entgegen dem globalen Trend verzeichnet die Schweiz einen deutlichen Rückgang bei der Stabilität der Lieferketten. (Bild: www.depositphotos.com)

Auch im Bereich Nachhaltigkeit nehmen Schweizer Unternehmen eine Spitzenposition ein. Einzig bei der Lieferkettenstabilität zeigt sich ein negativer Trend: Entgegen der globalen Entwicklung verzeichnen Schweizer Firmen hier einen Rückgang. Der GBOI analysiert die Geschäftsstimmung, Erwartungen zu Lieferketten, Finanz- und Investitionsbedingungen sowie ESG-Initiativen von 10.000 Unternehmen aus 17 Branchen in 32 Ländern.

Weltweit mehr Zuversicht und stabilere Lieferketten, ESG gewinnt an Bedeutung

Der Global Business Optimism Index setzt seinen Aufwärtstrend fort und ist im dritten Quartal 2024 um 12,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 122 Punkte gestiegen. Unternehmen zeigen sich zuversichtlicher angesichts verbesserter makroökonomischer Bedingungen, steigender Umsätze und wachsender Auftragszahlen. Das Finanzvertrauen und die Investitionsbereitschaft haben weltweit ebenfalls zugenommen. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend in Volkswirtschaften mit einer Lockerung der Geldpolitik. In diesen Ländern werden günstigere Betriebsbedingungen und niedrigere Kreditkosten erwartet.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in einer Stabilisierung der globalen Lieferketten wider: Der Global Supply Chain Continuity Index ist um 1,2 Prozent auf 115 Punkte gestiegen. Zudem hat Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung gewonnen: Der Global Business ESG Index, der das Engagement von Unternehmen für ESG-Aspekte bewertet, hat sich deutlich um acht Prozent auf 110 Punkte erhöht. Derzeit planen 57 Prozent der Unternehmen, ihre Budgets für ESG-Massnahmen zu erhöhen.

Schweizer Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft

  • Global Business Optimism Index: Der Geschäftsoptimismus von Schweizer Unternehmen ist im dritten Quartal 2024 deutlich stärker als im globalen Durchschnitt gestiegen (plus 17 Prozent auf 124 Punkte im Vergleich zu plus 12 Prozent auf 122 Punkte). Mittlere und kleine Unternehmen haben einen starken Anstieg der Zuversicht verzeichnet. Grosse Unternehmen verzeichnen einen marginalen Rückgang des Optimismus.

 

  • Global Business Financial Confidence Index: Die finanzielle Zuversicht der Unternehmen in der Schweiz ist im dritten Quartal 2024 um zwölf Prozent auf 121 Punkte gestiegen und entspricht damit dem globalen Durchschnitt. Dabei haben sowohl der Dienstleistungssektor als auch das verarbeitende Gewerbe Zuwächse verzeichnet.

 

  • Global Business Investment Confidence Index: Die Investitionsbereitschaft Schweizer Firmen ist im dritten Quartal 2024 um 30 Prozent auf 128 Punkte gestiegen und damit deutlich stärker als im globalen Durchschnitt (plus 23 Prozent auf 130 Punkte). Auch hier hat es Zuwächse in beiden Sektoren, Dienstleistungssektor und verarbeitendes Gewerbe, gegeben. Besonders stark ist der Anstieg bei mittleren Unternehmen ausgefallen. Grossunternehmen hingegen haben einen Rückgang der Investitionsbereitschaft verzeichnet.

 

  • Global Supply Chain Continuity Index: Entgegen dem globalen Trend verzeichnet die Schweiz einen deutlichen Rückgang bei der Stabilität der Lieferketten. Der Global Supply Chain Continuity Index ist hierzulande um 13 Prozent auf 102 Punkte gesunken, während er global um 1,2 Prozent gestiegen ist. Gründe hierfür sind geopolitische Spannungen, hohe Transportkosten und klimabedingte Unterbrechungen. Besonders betroffen sind grosse Unternehmen, während der Rückgang bei mittleren und kleinen Unternehmen weniger stark ausfällt. Die Stabilität der Lieferketten hat sich auch im Dienstleistungssektor und im verarbeitenden Gewerbe verschlechtert.

 

  • Global Business ESG Index: Der ESG-Index für Schweizer Unternehmen ist um 18 Prozent auf 122 Punkte gestiegen, mehr als doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt (plus acht Prozent). Damit gehören Schweizer neben deutschen Unternehmen zu den Spitzenreitern in Sachen Nachhaltigkeitsaktivitäten. Neue Regulierungen und ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen verstärken die ESG-Aktivitäten der Unternehmen, insbesondere bei mittleren Unternehmen sowie im Dienstleistungssektor und im verarbeitenden Gewerbe.

Experteneinschätzungen zur aktuellen Entwicklung

«Der gestiegene Geschäftsoptimismus unterstreicht die bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit Schweizer Unternehmen, die sich trotz globaler Herausforderungen wie geopolitischer Spannungen, regulatorischer Veränderungen, Inflationsdruck und Lieferkettenproblemen behaupten», so Dirk Radetzki, Chief Regional Officer, Central Europe bei Dun & Bradstreet. «Unternehmen sollten die aktuellen Entwicklungen genau beobachten und Chancen in dynamischeren Sektoren nutzen, insbesondere in Märkten mit geringerem Wachstum. Eine datenbasierte Strategie ist in diesem volatilen Umfeld unerlässlich, um Risiken zu minimieren und neue Potenziale zu erschliessen.»

«Der wiedererstarkte Optimismus, insbesondere im Bereich ESG, zeigt, wie stark regulatorische Entwicklungen die Stimmung von Unternehmen beeinflussen. Dieser Trend ist besonders in der Schweiz spürbar, wo Unternehmen die neuen Anforderungen aktiv angehen», sagt so Arun Singh, Globaler Chefvolkswirt bei Dun & Bradstreet. «Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Unternehmen diese Entwicklungen genau verfolgen. Es gilt, rechtliche Vorgaben einzuhalten, die Einhaltung von Vorschriften zu gewährleisten und die Faktoren zu verstehen, die diesen Optimismus weiter stärken.»

Quelle: www.dnb.com

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