Nachhaltigkeits-Themen bei DHDL Schweiz, Folge 3/4
Die vierte Folge der dritten Staffel von «Die Höhle der Löwen Schweiz» (DHDL) brachte Gäste aus Köln und überschritt – zumindest geografisch – auch den Röstigraben. Nach den finanziellen Höhenflügen der letzten Wochen wurden in dieser Sendung wieder etwas kleinere Brötchen gebacken.

Das Timing der Sendung vom 16. November 2021 war gar nicht schlecht: Die COP26 in Glasgow ist eben zu Ende gegangen. Über Nachhaltigkeit wurde dort viel diskutiert, aber – wir wissen es – relativ wenig entschieden. Doch Nachhaltigkeits-Themen beschäftigen auch Jungunternehmen, und dies um einiges konkreter als auf Politiker.
Veganes Eis lässt Löwen-Herzen schmelzen
Etwa «Nomoo» mit Rebecca Göckel und Jan Grabow aus Köln: «Nachhaltig und gesund» könnte der Claim für ihr veganes Eis lauten. Doch «Nomoo» steht für «Eis ohne Kuh» («kein Muh»). Mit einem rein auf pflanzlicher Basis, nachhaltig und mit minimalem CO2-Ausstoss produziertem Dessert sind Rebecca und Jan dabei, den deutschen Markt zu erobern. Unterstützt durch Fabio Matticoli wollen sie nun auch in der Schweiz für Furore sorgen. Und das tun sie mit ihrer Präsentation. Auch wenn Jan mit seinem Kurzvortrag über schmelzende Polkappen vielleicht etwas lehrerhaft rüberkam, zeigten die drei Gründer professionell die Marktpotenziale und Vorzüge ihres veganen Glacé-Desserts auf, das es bereits in neun Geschmacksrichtungen gibt. Ihr Angebot an die Löwen: 450’000 Franken für 4 Prozent Firmenanteile. «Ein sportlicher Betrag», wie Löwe Jürg Schwarzenbach konstatierte. Doch das vegane Eis mundete allen, und die Aussicht auf gute Umsätze – «Nomoo» rechnet für 2022 die 10-Millionen-Grenze zu überschreiten – liess bei den fünf Investoren die Dollarzeichen aufleuchten. Jürg Schwarzenbach schlug vor, dass sich alle mit je 100’000 Franken engagieren gegen fünf Prozent Firmenanteile. Ein Angebot, das sich die drei Gründer nochmals kurz überlegen wollten. Sie machten ein Gegenangebot: 600’000 Franken für fünf Prozent Anteile. Doch die Löwen blieben hart, Patrick Mollet: «Take it or leave it». Und so kam es dann auch zum Deal: Die fünf Löwen steigen mit 500’000 Franken bei «Nomoo» ein – ein schönes Beispiel für erfolgreiches Verhandeln mit Investoren.
Mit weiteren Nachhaltigkeits-Themen auf «Löwen-Fang»
Ebenfalls um Nachhaltigkeit ging es bei der Lösung der drei Brüder Christoph, Adrian und Patrik Bertschi mit ihrer Firma «SmartBreed». Sie haben eine automatisierte Heuschreckenzuchtbox entwickelt. Damit möchten sie gegen die umweltschädliche Herstellung von Soja-Tierfutter ankämpfen. Mit den Heuschreckenzuchtboxen können Zoos, Landwirte und Lebensmittelhersteller ihr eigenes Proteinfuttermittel produzieren. Den Heuschrecken ernähren sich von Agrarnebenprodukten. Anschliessend werden sie an Zootiere und Legehennen verfüttert oder für den menschlichen Konsum verarbeitet. Löwen treffen auf Tierfutter, könnte man also sagen, und sie bissen durchaus an. 100’000 Franken gegen 2 Prozent Firmenanteile wollten die drei Brüder, doch Jürg Schwarzenbach sagte bald: «Ihr braucht mehr» und bot 300’000 gegen 10 Prozent. Roland Brack machte ebenfalls ein Angebot: 200’000 gegen 10 Prozent. Auch Patrick Mollet bot 100’000 Franken, verlangte dafür 3 Prozent Firmenanteile. Nach kurzer Rücksprache nahmen die drei Brüder dann das Angebot von Jürg Schwarzenbach an. Gesucht dürften nun Landwirte sein, die sich ebenso innovativ zeigen wie die drei Jungunternehmer.

Und wieder geht ein Fintech-Unternehmen leer aus
Dass es Fintech-Unternehmen bei den Löwen schwer haben, hat schon eine frühere Folge gezeigt. Dieser Eindruck bestätigte sich auch bei der Geschäftsidee von Ivan Sosio und Oliver Steeg: Mit «Sparbatze» haben sie eine digitale Vorsorgeplattform kreiert. Über eine App sollen Dienstleistungen in den Bereichen Anlage, Versicherungen und Finanzen für jene Personen leicht zugänglich gemacht werden, die sich eher wenig mit solchen Fragen auseinandersetzen wollen, aber dennoch etwas für die Säule 3a auf die Seite legen wollen. Mit «Sparbatze» investiert der Nutzer ausschliesslich in Wertschriften, und zwar nicht irgendwelcher Art: Als nach eigener Darstellung erstes Unternehmen der Schweiz ermöglicht «Sparbatze» nämlich seinen Kunden, in Themenkategorien wie Greentech, Robotics oder Gleichberechtigung zu investieren. «Alles schon oft gehört», so der Grundtenor der Löwen. Auch dass mit Hürdensprinter Kariem Hussein ein prominenter Markenbotschafter eingespannt werden konnte, änderte nichts an der Tatsache, dass sich keiner der fünf Löwinnen und Löwen für das Produkt erwärmen konnten. Tobias Reichmuth etwa zeigte sich wenig begeistert davon, dass mit einer Kantonalbank und einer Versicherung schon zwei grosse Partner involviert sind. Zu einem Deal kam es in der Folge nicht, zumal die drei Herren ein gewichtiges Detail vergessen zu haben schienen: zu zeigen, wie ihre App eigentlich funktioniert…

Aus der Romandie in die Deutschschweiz
Welschen Charme brachten dann Leila Delarive und Salvador Garcia aus Lausanne mit ihrer automatisierten Werbeplattform «Amplifiy» in die Sendung. Sympathisch legten sie dar, wie vor allem Kleinfirmen, die gewöhnlich über äusserst beschränkte Werbebudgets verfügen, mit «Amplify» einen digitalen Marketing-Assistenten nutzen können. Dieser erlaubt ein End-to-End-Werbeerlebnis, wie die Erstellung von Inhalten, den Anzeigenverkauf und die Landingpage. In der Romandie scheint die Lösung bereits gut zu funktionieren, die beiden Gründer berichten von 2000 Registrierungen, wovon die Hälfte aktive User seien. Um nun auch in der Deutschschweiz durchstarten zu können, wollten sie von den Investoren einen Zustupf von 250’000 Franken gegen 6 Prozent Anteil an der Firma. Die Wachstumspläne von «Amplify» sind ambitioniert: 3000 Kunden wollen sie bis Ende dieses Jahres erreicht haben, im nächsten Jahr sollen es 18’000 Kunden werden. Das löste bei Jürg Schwarzenbach Stirnrunzeln aus: Er glaubt nicht an ein derart schnelles Wachstum und stieg aus den weiteren Verhandlungen aus. Auch sonst stellten die Löwen die etwas unklare Positionierung gegenüber Google Ads und gegenüber den Kunden, die digital noch nicht so affin sind, in Frage. Dennoch machten Anja Graf und Roland Brack ein Angebot von 250’000 Franken gegen eine Beteiligung von 10 Prozent. Leila Delarive und Salvador Garcia mussten nur kurz überlegen und griffen zu.
Durchdachte Erfindung – aber mehr eine Liebhaberei
Christian Schmid, von Haus aus Linienpilot, präsentierte den fünf Löwen seine Erfindung «Swiss Cobra». Dabei handelt es sich um einen sog. «Abbrandständer» für Cheminées. Darauf lassen sich die Holzscheite so stapeln, dass sie sich nicht berühren. So wird ein optimaler Luft-Gas-Austausch im Kamin ermöglicht, wie Christian Schmid erklärte. Bei richtiger Anwendung spart der Cheminéebesitzer Holz und schont aufgrund des reduzierten Feinstaubes und Stickoxidausstosses die Umwelt. Und: Das Unternehmen pflanzt für jedes verkaufte Produkt einen Baum. Ein insgesamt durchdachtes Produkt, wie auch die Löwen feststellten. Mit 119 Franken hat es aber durchaus seinen Preis. Bei rund 11 Millionen Besitzern von Cheminées im DACH-Raum würde da ein stattliches Sümmchen zusammenkommen. Dennoch: Zu einem Deal – Christian Schmid wünschte sich ein Investment 80’000 Franken gegen 20 Prozent Beteiligung – kam es nicht. Roland Brack bot zumindest an, die «Swiss Cobra» ins Sortiment aufzunehmen.
Startups gehen mit Nachhaltigkeits-Themen voran
Fazit dieser Sendung: Während Politikerinnen und Politiker quasi ergebnislos auf höchster Ebene über Nachhaltigkeit diskutieren, gibt es findige Unternehmerinnen und Unternehmer, die auf Taten statt Worte setzen. In einigen Fällen wurde dies auch durch namhafte Investments belohnt. Man darf gespannt sein, was daraus wird. Ein Erfolg aus einer der letzten Staffeln von «Die Höhle der Löwen Schweiz» war auch die nachhaltige Unterwäsche im Abo namens «Flizzer». Dank Investments von Roland Brack und Anja Graf expandierte das Berner Unternehmen und arbeitet zurzeit neu an der Produktion von Damenunterwäsche.
Interviews mit zwei Investoren bei „Die Höhle der Löwen Schweiz“ finden Sie hier, einen Rückblick zur Sendung vom 9. November 2021 gibt es hier.
Informationen zu den nächsten Sendungen: https://www.3plus.tv/die-hoehle-der-loewen-schweiz