Trotz Corona-Pandemie: 2020 mit so vielen Firmengründungen wie nie zuvor
Das von der COVID-19-Pandemie geprägte Jahr 2020 geht als Rekordjahr an Anzahl Firmengründungen in die Geschichte ein. In der Schweiz wurden so viele neue Firmen gegründet wie noch nie. Am stärksten war der Gründungsboom in der Nordwestschweiz, am schwächsten im Tessin.

Insgesamt 46’842 neue Firmeneinträge wurden ins Schweizerische Handelsregister eingetragen, was einem Anstieg von +5,3% im Vergleich zum Rekord-Vorjahr 2019 entspricht. Während die „Lockdown“-Monate März, April und Mai verständlicherweise den Gründungsboom bremsten, stieg die Zahl neuer Firmen aber ab Juni wieder an. So wurden im dritten Quartal insgesamt 11’682 neue Firmen gegründet, was einem Anstieg von +15.5% entspricht. Auch das letzte Quartal 2020 verzeichnete mit 13’208 Firmen ein Plus von +13.0%
Besonders viele Firmengründungen in der Deutschschweiz
Die Grossregionen Nordwestschweiz +10.5%, Zentralschweiz +10.1%, Ostschweiz +8.4%, Zürich +7.5% und Escape Mittelland +6.0% erfreuen sich im Jahr 2020 an neuen Rekordwerten was die Anzahl Firmengründer/innen anbelangt. So wie es den Tessin seitens der Corona-Pandemie hart traf, ist auch der Rückgang an Firmengründungen im Tessin gegenüber dem Vorjahr mit -10.6% einschlägig. Die Südwestschweiz konnte sich im Verlauf des Jahres erholen und verzeichnet nur noch einen geringen Rückgang von -0.2% an Neugründungen.
Im schweizweiten Durchschnitt erfolgten im vergangenen Jahr 2020 pro 1’000 Einwohner 5.61 Gründungen. Insgesamt 10 Kantone liegen über dem nationalen Durchschnitt. An der Spitze thront der Kanton Zug (19.91) mit einem bemerkenswerten Abstand vor Schwyz (8.85), Appenzell Innerrhoden (8.61) und Genf (7.75). Die Gründungsmuffel der Schweizer Kantone sind Uri (3.18), Bern (3.82) und Schaffhausen (3.92), welche am wenigsten neue Firmen pro 1’000 Einwohner/innen gründen.
Vergleich der letzten 10 Jahre
Seit dem leichten Rückgang im Jahr 2015 verzeichnet das Handelsregisteramt einen stetigen Anstieg an Neueintragungen. In den letzten zehn Jahren stiegen die Neugründungen um +18% an. Das Jahr 2020 besticht mit mehr Firmengründungen denn je und erweist sich als gründungsstärkstes Jahr seit Existenz des schweizerischen Handelsregisters (SHAB). Das SHAB wurde erstmals am 06. Januar 1883 publiziert.

Fünf Branchen machen 50% aller Gründungen aus
Rund 50% aller Neugründungen erfolgen in den Branchen Handwerk (16.7%), Beratung (10.2%), Detailhandel (8.6%), Immobilienwesen (8.1%) und Finanzen und Versicherungen (6.8%). Am wenigsten wird im Tätigkeitsbereich Druck und Verlag (0.3%), Hightech (0.6%) Land- und Forstwirtschaft (1.1%) und Ausbildung (1.8%) gegründet.
In Bezug auf die Entwicklung der Branchen gegenüber dem Vorjahr zeigt sich, dass die Bereiche Marketing und Kommunikation um +26.0%, Coiffeur und Kosmetik +21.0%, Detailhandel +18.6% und Beratung +14.1X%, prozentual am stärksten wuchsen. Rückgänge verzeichnen die Branchen Weitere Dienstleistungen (Reisebüros, freiberufliche Tätigkeiten) -22.4%, Transport und Logistik -4.9%, Druck und Verlag mit -2.5%, Finanzen und Versicherung -2.1% sowie Gastronomie und Beherbergung -0.9%.
Gründe für die starke Zunahme an Firmengründungen im Jahr 2020
Simon May, Geschäftsführer des IFJ Institut für Jungunternehmen, wertet die hohe Anzahl an Neugründungen als ein positives Signal für eine nachhaltig gut funktionierende Schweizer Volkswirtschaft. Im vergangenen Jahr hätten einige Branchen vom veränderten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben profitiert, so May weiter. Noch nie wurden so Geld ausgegeben für Sport- und Freizeitartikel, Menschen investierten in ihren persönlichen Lebensraum inklusive IT-Infrastruktur fürs Homeoffice. Produzenten und Händler von Spielwaren sowie Medizin- und Sicherheitstechnik, Hofläden, Streamingdienste, Hörbuchanbieter, Lieferdienste und generell der Onlinehandel erlebten einen enormen Boom. Trotz wirtschaftlich einschränkenden Massnahmen waren Gründerinnen und Gründer zuversichtlich, was sich im Wachstum in den meisten Branchen zeigt. Zudem findet aktuell eine Art «Bereinigung» bei wirtschaftlich schlecht aufgestellten Unternehmen statt, was die Gründung neuer Unternehmen fördert.
Die jährliche Anzahl an Neugründungen machen in etwa 7% bis 8% aller aktiver Firmen in der Schweiz aus, schätzt das Institut für Jungunternehmen. Durch diese Gründungen werden jährlich rund 55’000 neue Stellen geschaffen, was mehr als 1% aller Beschäftigten entspricht. Folglich sei es systemrelevant für die Schweiz, dass jedes Jahr viele neuen Unternehmen entstehen.
Geht der Gründungsboom 2021 weiter?
Gemäss Einschätzung von Simon May wird die Digitalisierung weiterhin einen enormen Schub erhalten. «Der Weg für nationale und globale Disruptionen ist geebnet. Denn Achtung: die Wirkungen dieses globalen Wirtschafts- und Gesellschaftsschocks folgen erst in diesem noch ganz jungen Jahr 2021 und den nachfolgenden Jahren», so Simon May. Die Shutdowns, Wirtschaftshilfen und Einschränkungen würden zunächst noch wie ein Damm wirken. Es sei davon auszugehen, dass diese «Inkubationszeit» ende, wenn die Impfungen wirken, die Ansteckungen nachhaltig reduziert bleiben und die Rückkehr zu einer neuen Normalität Tatsache werde. «Dann bricht der Damm und es werden noch viele neue Lösungen aus dieser Pandemiezeit den Weg an den Markt finden. 2021 wird wirklich disruptiv und gleichzeitig herausfordernd für uns alle», ist Simon May überzeugt.
Quelle: Institut für Jungunternehmen IFJ